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HiAZ 17.12.2007, alle
Presseberichte 1.Herren aus der Saison 2007/2008
Wirklich reif für die 1. Liga?
Sportlich ist die Meisterschaft für die Volleyballer
des TSV Giesen/ Hildesheim greifbar nahe, aber wirtschaftlich ist die Eliteliga
noch meilenweit entfernt. Die primäre Frage lautet: Wieviel Spitzensport ist in
Hildesheim und Umgebung eigentlich möglich?
Spätestens nach dem souveränen 3:0-Sieg in Braunschweig steht fest: Die
Volleyballer des TSV Giesen/Hildesheim sind Aufstiegsaspirant Nummer eins in der
2. Liga Nord. Mit 22:2 Punkten führt die Mannschaft die Tabelle klar an. Die
Zusammenarbeit zwischen TSV Giesen und MTV 48 Hildesheim hat sich bereits jetzt
ausgezahlt, denn in der Breite hat das Team durch die Ex-48er Henning Machtens,
Alexander Schnipkoweit und Roman Kammer deutlich an Qualität gewonnen. Die
Trainer Laurenz Weiner und Matthias Polkähn können personell aus dem Vollen
schöpfen und Ausfälle leichter kompensieren. Derzeit ist in der Liga weit und
breit keine Mannschaft in Sicht, die ähnlich gut aufgestellt ist. So weit die
erfreulichen sportlichen Perspektiven.
Bleibt die Frage, ob das Team auch wirtschaftlich reif ist für die 1. Liga? Die
Antwort lautet: derzeit nicht. Zwar ist der TSV aktuell in Liga zwei das Maß
aller Dinge, aber eine Etage höher wird mit ganz anderen, professionellen
Maßstäben gerechnet. Um in der Eliteklasse einigermaßen konkurrenzfähig zu sein,
müsste die Mannschaft noch einmal erheblich verstärkt werden. Zudem wäre ein
weitaus größerer Trainingsaufwand nötig. Das heißt, die aktuellen Spieler
müssten mehr Zeit in den Volleyballsport investieren – und der Verein mehr Geld
in die Spieler. Die Crux: Die meisten Akteure sind berufstätig und spielen
Volleyball quasi „nebenher“. Und haufenweise Geld, um neue Spieler zu kaufen
oder die derzeitigen besser zu bezahlen, ist nicht vorhanden. Für die 1. Liga
wäre schätzungsweise ein Mindestetat von 300 000 Euro nötig – wohl gemerkt: „ein
Mindesetat“. Das ist im Vergleich zu den Eintracht-Handballern zwar nicht
sonderlich viel, aber das TSV-Management um Ulrich Nordmann und Roland Kamper
steht dennoch vor einer Herkulesaufgabe, wenn der Traum von der 1. Liga
verwirklicht werden soll. Sie müssten ihren Etat ungefähr verdreifachen.
„Wir müssen jetzt sofort ans Werk gehen, um im Falle der Meisterschaft gerüstet
zu sein“, erklärt Kamper. Das heißt: Die Manager müssen ein Paket schnüren, das
für potenzielle Sponsoren attraktiv ist. Vage Pläne gibt es: Erstliga-Volleyball
dürfte keine reine Giesener Veranstaltung mehr sein. Der TSV Giesen/Hildesheim
müsste auch in Hildesheim Präsenz zeigen. Das heißt, einige Spiele sollten in
der Sparkassen-Arena oder der Halle 39 stattfinden. Zudem denkt Kamper an
Volleyball mit Eventcharakter. Das bedeutet: Auch drumherum soll einiges geboten
werden. Er bemerkt, dass auch Nordmann und er neben ihrem Volleyball-Engagement
einen Hauptjob zu erledigen haben. Aber sie werden noch mehr Zeit und Power
aufbringen müssen, wenn das „Unternehmen 1. Liga“ keine Wunschvorstellung
bleiben soll.
Die Chancen sind reizvoll: Denn wie sich in der Vergangenheit vor allem bei den
Derbys zwischen dem TSV und dem MTV gezeigt hat, lockt dieser Sport vor allem
viele junge Zuschauer an – eine interessante Zielgruppe allemal. Es geht aber
nicht nur um möglichen Erstliga-Volleyball, sondern primär um die Frage, ob die
Region Hildesheim neben Handball überhaupt reif ist für einen weiteren
ambitionierten Klub in einer durchaus populären Publikumssportart. Schafft der
TSV Giesen/Hildesheim sportlich den Aufstieg, wird diese Frage zwangsläufig
beantwortet.
Thorsten Berner
(c) Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung
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