HiAZ 14.12.2009, alle Presseberichte 1.Herren aus der Saison 2008/2009

Benny Stefanski verlässt den TSV/48

Nach dem 3:1-Sieg gegen Tecklenburg gibt es für Giesen/Hildesheim ein Showdown um die Herbstmeisterschaft. Trotz des Erfolges ist TSV-Mittelblocker nachdenklich.

Giesen (pen). Es war ein gegensätzliches Bild, das sich nach dem Zweitligaspiel der Volleyballer des TSV/48 gegen den VCB Tecklenburger Land bot. Vor der Trainerbank in der Giesener Sporthalle hüpfte Coach Michael Schöps wie ein Kastenteufel von einem Fuß auf den anderen. Vor Freude über das 3:1 seines TSV Giesen/48 Hildesheim. „Natürlich bin ich glücklich. Der Sieg war unglaublich wichtig. Denn nächsten Sonnabend geht es zum Spitzenspiel nach Leverkusen.“ Durch den Erfolg über Tecklenburg ist Giesen/Hildesheim nun punktgleich mit Tabellenführer Bayer Leverkusen, es kommt also in sechs Tagen zu einem echten Showdown um die Herbstmeisterschaft.

Zu dieser gelösten Stimmung wollte so gar nicht die Laune des TSV-Mittelblockers Benny Stefanski passen. Der hockte mitten auf dem Spielfeld und zog eine  Schnute. Das mag an Stefanskis Sprunggelenk gelegen haben – schon seit Wochen schmerzt der Fuß des 24-Jährigen. Aber es steckte noch mehr dahinter.

Stefanski entschied vor kurzem, dass er den TSV/48 wieder verlassen wird. „Eigentlich wollte ich schon zur Winterpause weg, doch ich bleibe bis zum Saisonende hier.“ Nun wechselt er im kommenden Sommer zum TV Rottenburg, dem derzeitigen Tabellendritten der 1. Bundesliga. Dort hatte Stefanski bereits in der vergangenen Saison gespielt.

Warum diese frühe Entscheidung? „Früh ist das nicht. Schon jetzt stellen die meisten Klubs ihre Mannschaften für die nächste Spielzeit zusammen“, sagte Stefanski. Außerdem habe sich der Mittelblocker etwas mehr versprochen vom TSV/48. Er sei unsicher, ob sich das Projekt 1. Liga in Giesen realisieren lasse. „Klar, den Aufstieg können wir hier schon schaffen – und ich will auch alles dafür tun. Doch was kommt danach? Reicht die Qualität für das Oberhaus?“

Es mag auch Frust in seinen Worten mitgeschwungen haben. Frust, über die unlängst fabrizierten Heimniederlagen wegen die mittelmäßigen Teams Schöneiche und Delbrück. „Das hätte nicht sein dürfen“, meinte Stefanski. „Außerdem machen wir es in vielen Begegnungen unnötig spannend. Wir müssten die Partien viel deutlicher gewinnen, denn im Vergleich zu den anderen Zweitliga-Mannschaften sind wir auf den meisten Positionen wesentlich stärker besetzt.“

Dann aber wechselte Stefanskis Mienenspiel – plötzlich grinste der Zwei-Meter- Mann: „Naja, ich will nicht nur meckern – schließlich haben wir Tecklenburg heute 3:1 geschlagen.“ Und bis auf den ersten Satz war es diesmal eine souveräne Vorstellung vor 385 Zuschauern in der Giesener Sporthalle.

In dieser Anfangsphase lag der Sieg allerdings in weiter Ferne. Die Gastgeber starteten desolat. Übrigens ohne Angreifer Henning Machtens, der sich zurzeit nicht nur mit einer Schulterverletzung plagt, sondern obendrein mit Grippe das Bett hütet.

Tecklenburg war zunächst am Netz und auf dem gesamten Feld präsenter. Jeden Punktgewinn feierte das Team mit breiter Brust. Dagegen wirkten die Giesener beinahe verschüchtert. Die Angst vor einer Niederlage so kurz vor dem Spitzenspiel in Leverkusen stand den Volleyballern ins Gesicht geschrieben.

Die Abwehr der Gastgeber stand nicht, dazu verpufften etliche Aufgaben im Nichts. Am Ende stand die verdiente 18:25-Satzniederlage.

TSV-Trainer Michael Schöps reagierte. Er mahnte die Defensivarbeit sowie die Aufschlagsvarianten an – und stellte um. Das Ganze fruchtete: Von nun an wurde die Partie komplett gedreht. Giesens Mittelblock mit Stefanski und Michael Andrej mutierte zum Tecklenburger Alptraum, dazu prallten etliche Angriffe an Dirk von Zwoll und Alexander Schnipkoweit ab. Außenangreifer Hauke Wagner steigerte sich ebenfalls im Verlauf der Partie. Insbesondere seine Angaben führten immer wieder zu Punktgewinnen.

Schnipkoweit auf der Machtens-Position und Edson Barbosa da Silva als Libero zeigten in ihren neuen Rollen Bestleistungen. Die stabilere Annahme ermöglichte es Spielmacher Maximilian Kaufmann auch,  Angriffe über die Mittelblocker Andrej und Stefanski zu inszenieren. „Allerdings“, schränkte Coach Schöps ein, „müssen wir die Feinabstimmung noch verbessern.“ Das gelte auch für die Außenangreifer van Zwoll und Wagner.

Nach dem 25:19-Satzausgleich im zweiten Durchgang folgten ein 25:13 und ein 25:18, das schließlich den 3:1- ieg perfekt machte. Weitere Fotos von der Veranstaltung finden Sie unter www.hildesheimer-allgemeine.de/galerie.

 

Der doppelte Philipp Bergmann

Giesen (pen). Ja, wohin gehört er denn nun, der Youngster Philipp Bergmann? Beim Volleyball-Zweitligaspiel der Giesener gegen Tecklenburg wurde das Hildesheimer Nachwuchsass im Hallenheft sowohl in der Mannschaftsaufstellung des TSV Giesen/48 Hildesheim aufgeführt, als auch in der des VCB Tecklenburger Land. Wie darf man das verstehen? Sollte der 18-Jährige etwa abwechselnd diesseits und jenseits des Netzes agieren? Sozusagen nach jedem Aufschlag die Seiten wechseln? „Nee, nee“, grinste Bergmann. „Ich gehöre zum TSV/48, bin aber ausgeliehen an Tecklenburg.“

Giesens Manager Roland Kamper erklärte es genauer: „Philipp Bergmann hätte in Giesen in der Hinrunde wohl kaum regelmäßige Einsatzzeiten bekommen. Doch gerade die benötigt ein Nachwuchsvolleyballer wie er, um Erfahrungen zu sammeln.“

Und da kam Tecklenburgs Coach Uwe Wallenhorst ins Spiel. Wallenhorst betreut nicht nur das Zweitligateam des VCB, sondern ist außerdem Cheftrainer beim Niedersächsischen Volleyball-Verband. Er kennt Philipp Bergmann aus verschiedenen Landesauswahlmannschaften. Einen Bergmann könne Tecklenburg gut gebrauchen, fand Uwe Wallenhorst und versprach dem Giesener Management Einsatzzeiten in Liga zwei. Der junge Mann wurde ausgeliehen – und so kommt es, dass der Diagonalspieler sowohl im Kader des TSV/48 als auch als Leihgabe beim VCB aufgeführt wird. Irgendwie logisch das Ganze, aber auch ziemlich irritierend.

 

(c) Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung