HiAZ 30.01.2010, alle Presseberichte 1.Herren aus der Saison 2008/2009

Der große Blonde hat die Ruhe weg

Der TSV Giesen/48 Hildesheim grüßt von der Spitze der 2. Volleyball- Bundesliga. Diese gute Position soll heute beim USC Braunschweig verteidigt werden. Außenangreifer Hauke Wagner will kräftig mitarbeiten. Er sagt: „Letztes Jahr wurde ich kaputt trainiert.“ Wie ist er jetzt drauf? Was hält das Management von ihm? Und welche Ziele setzt er sich selbst?

VON ANDREAS KRETH
Hildesheim. „Wir gewinnen mit 3:1 – aber das wird ein ganz schweres Spiel, auch wenn Braunschweig gerade schlecht drauf ist.“ Das sagt Hauke Wagner, 22-jähriger Volleyballer des Zweitligisten TSV Giesen/48 Hildesheim, vor dem heutigen Nachbarderby beim Tabellenvierten USC um 19.30 Uhr in der Tunica- Sporthalle. Der Außenangreifer stellt klar: „Natürlich will ich mit der Mannschaft Meister werden und zurück in die 1. Liga.“ Doch er weiß, dass auch er sich dazu noch steigern muss. Er sagt: „Letztes Jahr wurde ich kaputt trainiert. Jetzt nimmt der Trainer mehr Rücksicht auf einzelne Spieler.“

Schon mit acht Jahren hatte der kleine Hauke mit dem Volleyball begonnen. Er war freilich auch vorbelastet. Vater Rolf Wagner spielte für den MTV Celle in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft, Onkel Wolfgang Wagner war ebenfalls Erstliga-Akteur, seine Mutter Ines hatte den Papa beim Hobby-Volleyball kennen gelernt und seine Stiefmutter Frauke spielt noch heute beim Oberligisten SV Nienhagen. Auch Tennis war eine Leidenschaft von Hauke, der sich dann aber für den Volleyball entschied und bereits mit 16 Jahren für den TuS Brökel in der Herren-Bezirksklasse antrat.

Am 30. Mai 1987 in Celle geboren, waren der SV Altencelle, SV Nienhagen (mit Stiefmutter Frauke als Trainerin) und Brökel erste Stationen. 2005 entdeckte Zeljko Popovic, damals Trainer des Zweitligisten TSV Giesen, das Talent. So übersprang Hauke Wagner drei Klassen: „Sie holten mich für die Reserve mit der Option, vielleicht aus der Regionalliga ins I. Team aufzurücken.“ In der Aufstiegssaison 2007/08 kam er zu immer mehr Einsätzen im Zweitligateam, ein Durchbruch war es aber immer noch nicht.

Training mit Pullover und Handschuhen

„Es war nicht leicht für mich, weiter durchzuhalten. Ich überlegte, wie es weiter geht. So oft war ich mitgefahren, hatte aber wenig gespielt. Eigentlich wollte ich innerhalb der Liga wechseln, hatte andere Teams gesehen, wo ich mithalten konnte“, berichtet Hauke Wagner. Aber Manager Ulrich Nordmann und Michael Mücke wollten ihn halten, der neue Trainer hätte „ziemlich gute Ansätze“ gesehen. „Da habe ich Ja gesagt – 1. Liga erlebt man nicht so oft“, so der Fan von Spiegelei, Bratkartoffeln und Spinat.

In den ersten neun Spielen war er dann auch immer dabei. Bis zum Match in Haching: „Da hatte ich Magen-Darm, es aber nicht erzählt. Prompt kam ich nicht ins Spiel und Zwolli für mich, der dann ein super Spiel machte.“ Die Folge waren Kurzeinsätze in den restlichen Partien. „Unsere schwache Rückrunde hatte auch etwas mit der körperlichen Leistung zu tun. Ich selbst hatte Knieprobleme, war nach dreiviertel der Saison körperlich und psychisch am Ende. Da wurde zweimal am Tag trainiert, ich musste jedes mal von Celle oder Hannover herfahren, wo ich Maschinenbau studiere. Das hieß: vier Stunden im Auto, vier Stunden in der Halle. Und nicht alle anderen stellten wie ich den Volleyball ganz in den Vordergrund“, verrät Hauke Wagner. Hinzu kam ein weiteres Problem: „In der Halle 39 war es oft so kalt, dass ich zwei Pullover und Handschuhe tragen musste.“

Seine Position war immer der Außenangriff. Warum eigentlich? „Wer in der Jugend schnell groß wird, wird Mittelblocker. Ich bin aber langsam gewachsen, und für einen Zuspieler war meine Technik nicht gut genug.“ Bei 1,98 Meter Körpergröße ist der Mann mit den blondierten, langen Haaren und blauen Augen für Volleyball-Verhältnisse bis heute mitseinen 81 Kilogramm eher schmächtig. „Ich muss wohl durch Krafttraining muskulär zulegen“, meint er. Und seine Annahme müsse noch besser werden. „Ich bin froh darüber, geblieben zu sein. Was ich in der 1. Liga gelernt habe, hätte ich bei keinem anderen Verein lernen können. Das hat mich enorm weiter gebracht.“

Unterschied zwischen 1. und 2. Liga

Jetzt ist er bei Trainer Michael Schöps (Wagner: „Ein Taktikfanatiker“) meistens erste Wahl. Auch heute in Braunschweig, davon geht er jedenfalls aus. Dabei wirken andere auf dem Feld oft präsenter als er, sind vielleicht lauter oder offenbar aggressiver. „Aber so bin ich halt, gehe nicht so aus mir heraus. Das sehe ich nicht als Schwäche an. Ich konzentriere mich auf mein Spiel und ärgere mich über Fehler.“ Überhaupt versucht er, Fehler zu vermeiden, oder noch was draus zu machen. Das sei auch der Unterschied zwischen 1. und 2. Liga: „In der 1. Liga wird mit hohem Risiko, aber wenig Fehlern gespielt. In der 2. Liga spielen viele auch hohes Risiko, aber dadurch bedingt mit einer hohen Fehlerquote.“

Manager Ulrich Nordmann lobt Hauke Wagner: „Er hat einen Sprung gemacht, ist zum Führungsspieler gereift, der Sicherheit vermittelt. Es hätte eher kommen können, wenn er letztes Jahr konsequenter eingesetzt worden wäre. Ob es für die 1. Liga reicht, bleibt abzuwarten. Aber er ist in der sportlichen Planung für die 1. Liga auf jeden Fall dabei.“

Derzeit sei die Stimmung in der Truppe super, so der Spieler. „Das hat aber auch mit den momentanen Ergebnissen zu tun.“ Die erste Sechs sei gut eingespielt, auch der sogenannte Ersatz praktisch gleich stark. Den Volleyball liebt er übrigens, weil es eine Sportart ist, die den ganzen Körper einschließlich Hirn fordert – und er brauche den Wettkampf. Den hat der Cola-Trinker und Musikfan (Metal und Rock) heute wieder in Braunschweig. Im Hinspiel besiegte der TSV/48 die junge USC-Mannschaft erst nach fünf Sätzen, hätte auch verlieren können.

Noch mindestens drei Jahre studiert Hauke Wagner, der sein FSJ beim Niedersächsischen Volleyball-Verband gemacht hat, und will Ingenieur werden. Nebenbei hat er noch ein ganz privates Ziel: Mit Freundin Berenike Mehls sucht er in Celle eine gemeinsame Wohnung. In Giesen möchte er weiterhin der Ruhige bleiben. Einer, auf den man sich verlassen kann. Am besten in der 1. Liga ...

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